Besser spät als nie! // Folge 3

Shownotes

Besser spät als nie! Ausgabe Nummer 3 unseres Podcasts zum Thema Erinnerungskultur in Neustadt in Holstein. Hierin liefern wir zahlreiche sehr bewegende, tiefgehende, aber zum Teil auch schräge Geschichten aus dem Zuhörbus, der um den 03. Mai 2022 auf dem Neustädter Marktplatz stand und in dem wir rund 20 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Kriegsendes vom Mai 1945 und der Cap Arcona Katastrophe interviewt haben.

Transkript anzeigen

00:00:00: Besser spät als nie.

00:00:01: Willkommen zu Ausgabe Nummer drei unseres Podcasts zum Thema Erinnerungskultur in Neustadt, in Holstein.

00:00:08: heute liefern wir euch und ihnen zahlreiche sehr bewegende tiefgehende aber zum Teil auch sehr schräge Geschichten aus dem Zuhörbus der um den dritten Mai dieses Jahres auf dem neustelter Marktplatz stand und indem wir viele Zeitzeuginnen von damals interviewt haben.

00:00:28: Das sind Jens Westen und...

00:00:30: Mein Name ist Christina Menz.

00:00:32: Guten Tag, Frau Menz!

00:00:33: Ich freue mich sie wieder zu sehen und wieder zu hören.

00:00:36: Was ist dir denn hingeblieben von diesen ungefähr zwanzig Interviews die wir innerhalb dieser fünf Tage geführt haben?

00:00:44: Ja, wir hatten ja die ältere Neustädter Jahrgänge aufgerufen zu uns zu kommen.

00:00:47: Auf dem Marktplatz und uns von ihrer Kindheit in den letzten Kriegstagen in Neustadt zu erzählen.

00:00:54: Von ihren Erinnerungen rund um den dritten Mai.

00:00:57: Am meisten berührt muss ich sagen hat mich die Tatsache wie gut unser neustädtern Projekt überhaupt und generell angenommen wurde.

00:01:04: Ich hatte keine Erwartung nur Hoffnung dass das überhaupt die man kommt Und es kamen viele.

00:01:10: Also allen Danke für ihre Offenheit, für ihren Mut, für ihre Zeit und vor allem für ihre Geschichten.

00:01:16: die waren zum Teil herzzerreißend, zum Teil irrsinnig beeindruckend und zutiefst erschütternd.

00:01:22: Sie waren aber auch komisch und kurios und sie waren vor allem authentisch.

00:01:26: Das kann ich nur unterstreichen was du gesagt hast als wir dieses Projekt angegangen sind Gemeinschaftsprojekt war das ja von vielen Beteiligten aus Neustadt haben wir gedacht, okay also wenn vielleicht fünf oder zehn kommen dann sind wir schon auf einem guten Weg aber es hat tatsächlich unsere Erwartung übertroffen.

00:01:46: Jetzt sind zwanzig gekommen und ja auch ungefähr zwanzier Stunden Material was wir innerhalb dieser fünf Tage gesammelt haben.

00:01:55: in der Zwischenzeit, also seitdem wir diesen Zuhörbus da auf den Markt gestellt haben.

00:02:00: Haben wir dieses Material gesichtet?

00:02:02: Wir haben es ausgewertet und darüber diskutiert.

00:02:05: Wir haben das natürlich auch zusammengeschnitten und in eine für uns sinnvolle Reihenfolge gebracht.

00:02:09: Und deshalb sitzen wir heute hier und freuen uns Ihnen und Euch diese Auszüge zu präsentieren.

00:02:18: Neben dieser Vielzahl an Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und Geschichten ist mir eben auch hängen geblieben, dass es eine unglaubliche Vielfalt war.

00:02:27: Also das war nicht nur einseitig und nicht nur Leid-und nicht nur Tränen.

00:02:31: Und es war das Allerschlimmste was mir passiert ist, was natürlich völlig logisch und nachvollziehbar ist und war.

00:02:37: aber Es gab sogar andere die gesagt haben Das war für mich ein großes Abenteuer oder So schlimm war das alles gar nicht.

00:02:46: Wir hatten eigentlich eine glückliche Kindheit, also die es ein bisschen relativiert haben und in einen anderen Zusammenhang gestellt haben.

00:02:53: Also kurz auf den Punkt gebracht mir ist die Vielzahl an Zeitzeugen und Zeitzeugen in Erinnerung geblieben und die Vielfalt an Geschichten.

00:03:03: Was ich auch sehr bemerkenswert fand, ist mein Eindruck dass meine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner just noch einmal ganz tief in die eigene Geschichte abgetaucht sind.

00:03:13: Und Momente noch einmal durchlebt haben was wirklich nicht immer einfach war.

00:03:17: aber sie haben uns da auf eine kurze persönliche Zeitreise mitgenommen.

00:03:21: das war irrsinnig spannend und persönlich berührend.

00:03:25: was es auch beeinflusst hat, glaube ich war auch die frischen Eindrücke vom Russland-Ukrainekrieg.

00:03:31: Also das haben mir auch viele gesagt dass sie sich dadurch wieder erinnert haben und das Ganze schon so ein bisschen wieder aufgewühlt hat.

00:03:39: Vielleicht können wir das auch an der Stelle sagen, viele die zu uns kamen selbst damals Vertriebene und Geflüchtete waren und sich somit durch den Ukrainer Krieg selber wieder an ihre eigene Zeit der Flucht und Vertragung erinnert haben.

00:03:53: Jetzt kommen die Protagonisten zu Wort, du kommst mit Geschichte Nummer

00:03:56: eins?

00:03:57: Ja!

00:03:58: Viele Neustadterinnen und Neustader werden ihn von früher als Mitarbeiter der Post kennen, Egon Moewinkel.

00:04:05: Er war einer der ersten, der zu uns kam und seine Geschichte erzählen wollte.

00:04:09: Egon MOEWINKEL wurde in nineteenhundertvierunddreißig in Stettin geboren und kam im März vormundvierzig mit seiner Familie nach Neustadt.

00:04:16: Die MOEwinkels wurden in einem Zimmer bei einer Familie in der Schiffbrücke einquartiert wo Egon als elfjähriger die letzten Kriegstage und die frühe Nachkriegszeit erlebte.

00:04:27: Egon Mowinkel konnte im Gespräch wirklich auf Stichwort Erinnerung abrufen, sehr lebendig und mit vielen Details von geklautem Kohlen- und konfissiertem Käse über die ersten britischen Panzer.

00:04:38: Die am späten Nachmittag vom dritten Mai, May, die Brückstraße Hochwalsten bis zum Tausch handelt mit ehemaligen Kazzerteftlingen auf dem Weeksberg.

00:04:48: Er würde sich heutzutage häufig an seine Kindheit zurückerinnern.

00:04:52: Da gehe ihm einfach viel durch den Kopf, sagte Egon Mowinkel.

00:04:55: und natürlich erinnert er sich an den frühen Nachmittag vom dritten Mai, nineteenhundertvierzig als Jagdbomber der Royal Air Force die Schiffe von Neustadt mit tausenden KZ-Heftlingen an Bord bombardierten und auch daran welche grauenvollen Szenarien sich danach abgespielt

00:05:13: haben.".

00:05:14: Da haben wir drüben bei der damaligen Glückspflege standen und konnten dann sehen, wie die Flieger im Tieffluch über die drei Schiffe hervieren.

00:05:25: Und die Bombardierten und die Zielbecken in Deutschland leichten sich ja ganz schnell auf der Seite während die Kabakona ja qualmte.

00:05:39: Feuer

00:05:39: usw.

00:05:40: konnten wir nicht sehen.

00:05:41: Aber durch den Qualen im Bau, kein Feuer zu sehen.

00:05:45: Aber konnte man sich ja denken... Aber konnten Sie genau sehen wie sich die Klübeck so meinte?

00:05:50: Ja da konnten wir alles, denn das war hier nicht mehr noch nicht so bebaut und bewachsen wie es heute ist.

00:05:58: Heute glaube ich könnte man gar nicht soweit mehr

00:06:00: gucken von der

00:06:01: Glückssee, von der Ecke aus da Und der Rest, der an Land gekommen war von den Häftlingen.

00:06:10: Die wurden ja vom Strand am Jungfernstieg lang geführt über die Brücke und sollten auf dem Wegsberg untergebracht werden.

00:06:19: War auch so, sie wurden da auch untergebragt, aber zwischendurch begleitet von SS-Leute.

00:06:27: Und dann ist der Einfall passiert eine Frau, die war wirklich schon am Ende ihrer Kraft und kippte denn in Richtung Wasser an den Bollwerk.

00:06:36: Da hatten wir einen Holzbollwerk noch Heute ist heute alles Keimauer.

00:06:45: Und die klammerte sich noch oben an den Holzbalken und dann kam ein SS mit dem Gewehr und kloppte sie auf den Finger, dass sie das Wasser fallen sollte.

00:06:58: Da waren drei oder vier der Herzen, die wohl noch ein bisschen Kraft hatten und haben denen weggezogen und die Frau hoch gezogen.

00:07:07: Das habe ich von unserem.

00:07:17: Das war ja für uns ein ganz zentraler Aspekt.

00:07:20: Was haben die Neustädter beobachtet?

00:07:22: Wo haben sie auf der anderen Seite vielleicht weggeguckt?

00:07:26: und auch bei der Vorbereitung auf die Interviews haben wir uns mit unserem Vorwissen, Stichwort Judenmorde, Stichtwort Stutthof immer wieder die Frage gestellt wo und wann waren neustädte Täter?

00:07:39: Wo haben sie aber auch den Opfern und Überlebenden geholfen?

00:07:42: Sie unterstützt, waren empathisch oder haben Menschen Obdach gegeben.

00:07:48: Für dieses Thema haben wir im folgenden Abschnitt mehrere Geschichten zusammengestellt und beginnen mit Ingrid Rödel.

00:07:55: Ihr Vater war Marinesoldat.

00:07:57: die Familie wohnte in einem der Häuser auf dem Wixberg

00:08:01: U-Schule.

00:08:02: Sie wurde am neunzwanzigsten Oktober, und berichtet von einem Erlebnis vom zweiten Mai, also einen Tag vor der Katastrophe.

00:08:14: Sie stand oben auf dem Wegsberg als eine Gruppe von KZ-Heftlingen in Richtung Kaserne getrieben wurde.

00:08:22: Wir wissen es nicht mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit aber es deutet ganz viel darauf hin dass es Heftlinge aus dem KZ Stutthof waren Englid Rödel und der Hilfeschrei eines Heftlings aus dieser Gruppe.

00:08:35: Und alle hatten diese gestreiften Sachen an und sie kamen also ganz langsam, schleppend den Berg hoch.

00:08:43: Richtig schwerfällig, also viele ... Das hat sich so eingeprägt.

00:08:49: Dieser Moment wo dieser Mann auf mich zukam und sagte Wasser!

00:08:56: Wasser?

00:08:58: Das ist diese Momentaufnahme, wo wir beide uns angeguckt haben.

00:09:02: Ich meine ich war sechs, ich war Kind.

00:09:05: Wir beide haben uns in die Augen gesehen und... ...ich schaune selber darüber dass ich das so intensiv in mich aufgenommen habe.

00:09:14: Für mich war das ein ganz alter Mann.

00:09:15: der hatte schon graue Haare aber er war vielleicht noch nicht mal vierzig klein und dünn, schreckte mir hier die Arme hin und sagte Wasser, Wasser.

00:09:25: Und ich halte ihn in meinen kleinen Pott mit den zwei Hänkeln da wie nicht in der Hand, haltet mit Wasser hin und ergreift danach und in dem Moment fliegt das Ding durch die Gegend weil er mit dem Gewerkäumen den da drunter gehauen hat und der Fluch im hohen Bogen weg war total verbeult nachher als wir ihn gefunden haben Und den hat er zurückgeschubst und haben dann welche aufgefangen.

00:09:48: Sonst wäre er da auf die Straße gefallen, und zu mir hat er gesagt der Bewacher macht das du nach Hause kommst.

00:09:55: Also ich stand da star vor uns setzen.

00:09:59: Ich wusste gar nicht was das zu bedeuten damit wir nicht nach Hause gelaufen.

00:10:02: und es war ja nicht weit.

00:10:04: Wir sahen bloß die Erheflinge vorbei gehen und dann

00:10:09: waren wir schon

00:10:10: draußen.

00:10:11: ihre Gangart war auch sehr schwer.

00:10:16: Es war ein Haus mit vier großen Wohnungen.

00:10:20: Vier Zimmer, hundert Quadratmeter und links unten haben wir gewohnt und rechts oben stand, warum auch immer?

00:10:29: eine Wohnung im Moment leer zu dem Zeitpunkt.

00:10:33: Und dann wurden Matratzen gesucht Bettenkram, was weiß ich.

00:10:39: Woher?

00:10:40: überall in der ganzen Stadt vielleicht wurden in die Wohnung geschafft und dann sind an dem Tag... Ich nehme an es war ja am selben Tag abends oder am nächsten Tag vierzig Schiffbrüchige bei uns im Haus einquartiert auf diesen Matratzen.

00:10:58: Nasse, halbnackte Menschen kamen anmarschiert und das haben wir Kinder auch gesehen.

00:11:05: Diese vierzig sind in eine Wohnung gekommen?

00:11:07: Ja, einfach nur auf dem Boden schlafen.

00:11:10: Irgendwie wie lange das gedauert hat.

00:11:13: Das kann ich nicht sagen was man ... Aber das war nun die erste Notmaßnahme.

00:11:20: Es waren eben KZ-Heftlinge, die ein Lebensmittelgeschäft aus meiner Eltern seinerzeit betrieben haben an der Ortina Straße.

00:11:28: Da waren sie eingedrungen Und da gab es ein Käse schrankt, aber auch die Butter drin.

00:11:34: Ich sehe diese Leute noch ... Die Heftlinge, meine Eltern ließen sie gewährenn wie Sie dort hinter dem Tränen sind und die Butter gegessen haben.

00:11:46: Alles was Fahrzeug hatte musste zum Strand und die Leute vom Strand holen.

00:11:53: Da erinnere ich mich ganz extrem, weil ich für völlterlich Angst Auf der Ecke, wo Jacke jetzt ist.

00:12:03: Da war Schlachtbedienemann.

00:12:05: Er hatte ja diesen Wagen hauptsächlich um Schafe und Kälber zu holen.

00:12:10: Und in diesem Wagen saßen zwei oder drei von diesen Katzettlern... ...und zwei hielten sich hinten fest und liebten damit!

00:12:21: Und die grüllten!

00:12:22: Das hat mich wahnsinnig

00:12:24: erschreckt!".

00:12:25: Ich finde das ein wirklich wichtigen und bemerkenswerten Aspekt, wie die Neustädterinnen und Neuestädter – also alles Kinder damals eben – die überlebenden KZ-Heftlinge wahrgenommen haben.

00:12:36: Ob sie Augenzeugen von Gräueltaten wurden oder ob sie geholfen sind und wie sie reagiert haben?

00:12:42: Viele zutiefst erschütternde Erinnerungen drehten sich auch um die Horrorbilder der schier unzähligen Leichen, die in den Tagenwochen und zum Teil ja auch noch Jahre später an den Stränden der Lüberger Bucht angespült wurden.

00:12:56: Einer, der diese Bilder nach heute vor Augen hat ist Wohlfönigke, der am dritten Mai ´mai ¾ mit acht Jahren allein am Strand von Nienendorf stand als die Schiffe bombardiert worden.

00:13:06: Seine bewegende Schilderung hören wir gleich!

00:13:09: Doch zuvor zu Uwe Landschorf.

00:13:11: Sein Vater war der Leuchtturmwärter von Dames Höwen.

00:13:17: Landschow, Jahrgang die Jährige, verbrachte wie er erzählte eine herrliche, unbeschwerte Kindheit am Leuchthurm zwischen Mea, Feldern und Moor.

00:13:27: Das bürgerliche Leben in Neustadt war für ihn eine ganz andere Welt.

00:13:32: Die Versenkung der Capacona, knapp dreißig Kilometer Luftlinie von Dameshöft entfernt erreichte den damals neunjährigen jedoch brutal unmittelbar mit einem Tag Verzögerung.

00:13:44: Zu jener Zeit herrschte Westwind weshalb ein Floß der Capakona an dem Strand von Dameshöve driftete.

00:13:52: Ein graues Metallfluss mit Einschlusslöchern und zwei Toten drin – mit gestreifen Anzügen.

00:13:58: Ich konnte auch die gestreifenden Anzüge und die Holzschuhe an den Füßen nicht unterbringen.

00:14:04: Aber es waren eben die ersten Toten-Häftlinge von der Karpakona, die sich in einen Fluss retten konnten.

00:14:11: Und dann wahrscheinlich ... Es war ja auch kalte Nächte noch zu dieser Zeit vielleicht in der Nacht erfroren sind auf jeden Fall unter Beschuss von Engländern, von englischen Flugzeugen geraten sind nachweislich dann dieses Loch in diesen Dingen hatten.

00:14:27: Die wurden dann alle abgenackt und dann kamen nachher, neben dem.

00:14:31: es war das einzige Floß des Antriebs, dann kam aber danach viele Heftlänge angetrieben und ich habe zweihundert neunzehn Tote gezählt und sind dann angeblich nach Grube verbracht worden.

00:14:43: Ich bin oft bei Lange gewesen hier bei Willem Lange und bin oft in Grube gewesen und habe den Herrn La Frenz, es ist so ein Vorgeschüchler und Frühgeschichtler einen Bauern, so ein Hobby Wissenschaftler und Hobbyhistoriker, den habe ich gefragt.

00:14:58: Niemand weiß wo diese Leute beigesetzt worden sind oder begraben

00:15:04: sind.".

00:15:05: Und dann stand ich da noch und guckte über das Wasser.

00:15:07: Ich konnte bis nach Neustadt gucken und dann kam so kleine schwarze Hummeln aus den Wolken runter, so schwebend runter auf die Schiffe.

00:15:14: Auf den Schiffen gab es denn weiße Wölkchen und dann zogen sie wieder hoch und verschwannen in Wolken.

00:15:19: Dann kam nochmal und nochmal sowas.

00:15:22: Das war meine Wahrnehmung!

00:15:24: Und wenn ich das weiße Wölkchen sah, das war ja nur mehrfach auch nicht.

00:15:28: Dann dauerte es einen Moment hin und dann wunderte ich mich da kam irgendwo so ein ganz weiches Wurm.

00:15:35: Was das nur sollte, das konnte ich mir noch gar nicht erklären und für mich war die Sache auch im Moment ganz erledigt.

00:15:41: Das war der dritte Mal.

00:15:42: Und dann kam der vierte oder fünfte verging also wo so zwei drei Tage Und weil mich das interessierte, wie dass da unten am Wasser ist mit der Oste und so weiter war ich wieder da.

00:15:55: Und ... was erleichen?

00:16:06: Ich sah nur Hinterköpfe!

00:16:09: Die Fersen auch mit Schuhen zum Teil, guckten aus dem Wasser raus.

00:16:13: vom Körper waren nicht viel zu sehen aber es war ja eine leichte Dünnung.

00:16:16: Das ist Menschenwahn habe ich ganz schnell mitgekrecht.

00:16:20: Nicht nur einer, etliche.

00:16:22: Gezählt habe ich sie nicht.

00:16:24: Am Strand unten war ein Pferdewagen mit einem Pferl hatte hinten so wie das auf Bauernhöfen üblich ist, eine Radfläche.

00:16:33: Und dann waren da zwei Männer in ziviler Kleidung als Landarbeiter und die hatten Forken.

00:16:40: Dann sind sie hier reingegangen und einer hat mit der Vorge dann zu einer Leiche ans flache Wasser rangezogen und der andere hat an irgendeinem Ziffern mitgezogen.

00:16:50: und dann haben Sie sie an Land gezogen und dann habe sie sie rüber gezogen zum Pferdewagen Und danach haben sie einer die Füße, der andere die Arme gepackt und mit Schwung auf den Wagen geschmissen.

00:17:05: Ein englischer Soldat stand daneben und bewachte das.

00:17:14: Jetzt sage ich ... Die Relation für all das!

00:17:21: Wie man sich vorstellen kann war dieses Interview mit wohlfühniger Für mich schon auch was ziemlich Bewegendes.

00:17:30: Ich war da so anderthalb zwei Stunden bei ihm in Niendorf Und in diesen anderthalb zwei Stunden gab es also mindestens fünf Situationen, wo er ähnlich bewegt und so fassungslos war oder die Fassung verloren hat.

00:17:45: Man merkte eben selbst, siebenundseitig Jahre später wie sehr sich das bei ihm eingebrannt hat.

00:17:52: aber sowie er ist eben auch geschildert hat, war es so dass es zwar auf der einen Seite diese Wahrnehmung gab, die er schildert Auch aus so einer kindlichen Naivität heraus.

00:18:05: Die Hummeln, die Fallen... ...die Wirkchen, die Aufsteigen und dieses Wummen, diese Geräusche Dass das seine kindlichen Wahrnehmungen waren aber er dann auch immer mit mehr Lebenserfahrung Das ganze halt für sich reflektiert hat Und es dann erst ihm klar wurde was da passiert war.

00:18:26: Ganz wertvoll auf jeden fall dass was er uns geschildert hat und das was wir da aufnehmen durften

00:18:33: Kommen wir zu einer ganz anderen Art von Erinnerung, zu einer der unfassbar glücklichsten Gänsehaut-Geschichten im Angesicht von Tod, Leid und Zerstörung.

00:18:42: Bruno Neurath Wilson geboren in nineteen hundertundvierzig erzählt uns die Geschichte seiner Eltern.

00:18:48: Bruno's Vater Willi Jahrgang neunzehnhundertel war im politischen Widerstand wurde mehrfach verhaftet und landete in den KZ Buchenwald Sachsenhausen und Neugamme seine letzte Station Die Capacona, die vor Neustadt ankerte.

00:19:03: Brunus' Mutter Eva, Jahrgang einundzwanzig war eine engagierte Frau mit starker Willenskraft und bestechender Intuition.

00:19:09: Die beiden hatten nineteenhundertzweiundvierzig in Köln geheiratet.

00:19:14: Gegen Ende des Krieges kamen sie über Umwege nach Neustadt und wohnte wohl so die Vermutung von Bruno in der U-Botschule.

00:19:21: Über das Schicksal ihres Mannes wusste sie nichts, die Spur hatte sich schon lange vor Neustatt verloren.

00:19:27: Und dann ... Ja, dann kam der dritte Mai, der Kappakona mit tausenden Katz-Häftlingen an Bord, von denen nur wenige Hundert überleben sollten, nach den Luftangriffen in Flammen aufging.

00:19:39: Bronos Mutter bekam das Inferno vom Ufer aus mit!

00:19:44: wird das Schiff natürlich brennensehen?

00:19:45: am dritten Mai wusste nicht wo ihr Mann, dass ihr Mann an Bord dieses Schiffes da war.

00:19:53: ja und ist dann am vierten Mal in meinem spelten Vormittag.

00:19:57: wohl hätte ich immer gefragt was hat mich dahin gezogen?

00:20:02: an die Uferweg?

00:20:05: sie ist dahin gegangen voller Unruhe und wahrscheinlich auch Hoffnung.

00:20:08: der ist hier also Richtung Pälzerhaken gegangen Und aus der Gegenrichtung kam ihr Haltenmann entgegen, den sie aber nicht erkannt hat.

00:20:16: Als die hat ihn nicht erkannt.

00:20:19: Sie wollte an ihm vorbei und er kam so schreck über den Weg auf sie zu... ...und hat sie mit ihrem gosena Muppel angesprochen.

00:20:30: Da hat sie ihn erkannt und ist zusammengeklappt vor Schreck.

00:20:38: Ich nenne das immer vor Schrecken und unfassbarer Freude, es ist hier zusammengeklappt.

00:20:44: Dann hatten sie sich wieder, sind dann da unten.

00:20:49: Auf das kann ich mir nicht vorstellen.

00:20:54: Kommt darüber und sagt Muppel zu ihr.

00:20:55: Und sie hat ihn nicht erkannt.

00:20:57: Wie muss der ausgesehen haben?

00:20:59: Letztes Mal gesehen vor zweieinhalb Jahren so ungefähr.

00:21:03: Sagt Muppels für ihr.

00:21:05: Jens, kanntest du die Geschichte?

00:21:08: Also ich habe die in meiner Kindart fragmentatisch gehört.

00:21:11: Die wurde immer wieder in Neustadt mal erzählt und ich hab sie für ein schieres Märchen gehalten, ich hab nicht dran geglaubt bis Bruno eben im Mai zum Zuhörbus kamen und sie erzählte Und das finde ich auch komplett beglückend.

00:21:23: Die Familie hat übrigens nach Kriegsende noch ein paar Jahre Neustadt gelebt in der Reddach-Wille am Kibitzberg und was man sich auch mal vorstellen muss, Vater Willi kümmerte sich um die Bergung der Leichen, führte akribisch Protokoll Was wär wann wo gefunden wurde?

00:21:37: Die Aufzeichnungen darüber existieren auch noch.

00:21:45: Bruno-Neurath Wilson sagt, dass er erst nach dem Tod des Vaters neugierig auf die Geschichte geworden ist.

00:21:52: Es hätte ihm früher gereicht, so sagte er das seine Eltern immer auf der richtigen Seite der Geschichte gestanden

00:21:58: haben.".

00:21:59: Und das, was mich so sehr fasziniert hat waren die unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkel.

00:22:04: Eine Frage, die ich immer wieder gestellt habe an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen war – wie blicken Sie heute zurück?

00:22:11: Wie ist Ihnen diese Zeit mit diesen schrecklichen Ereignissen und Erlebnissen in Erinnerung geblieben mit dem Abstand von siebenundsiebzig Jahren?

00:22:19: eine Auswahl an wirklich sehr unterschiedlichen Antworten?

00:22:24: Wir haben ja Nicht gelitten, meine Mutter ist mit dem Fahrrad regelmäßig über Land gefahren und hat Essen organisiert.

00:22:36: Und zwar hatten wir... Wir haben insgesamt richtig Glück gehabt weil wir amerikanische Verwandtschaft hatten und die haben uns sehr bald schon Kehrpakete geschickt.

00:22:49: Und aus diesen Kehr paketen hat meine Mutter Zigaretten, Kaffee im Grunde das genommen und ist über Land zu den Bauern, hat uns Futterage besorgt.

00:23:03: Davon haben wir relativ gut gelebt.

00:23:07: Das habe ich alles miterlebt.

00:23:09: Es ist vollbar.

00:23:10: jetzt im Nachhinein.

00:23:13: Und wie der Mann damit Menschen umgegangen ist, werden diese Konche leiblich körperlich mit einem Kolben

00:23:22: rein rüber.

00:23:24: Ich mache das gar nicht gesehen!

00:23:26: Es war schlimm, dass wir das sehen mussten.

00:23:31: Für uns war es ein Abenteuer.

00:23:32: aber ganz genau und die Nachtsichtszeit war für mich persönlich die schönste Zeit meiner Jugend.

00:23:39: Warum?

00:23:40: Wir konnten uns frei bewegen, konnten auf Deutsch gesagt wie man heute sagt klauen was wir wollten.

00:23:47: wenn wir bei der Polizei mal wirklich geschnappt worden sind um neun war Zapfenstreich.

00:23:52: dann haben sie uns nach Hause geschickt So lange, wenn sie uns mein Ding um sieben geschnappt haben.

00:23:58: Da haben wir noch unterwegs waren und irgendwie was Dummheiten gemacht haben.

00:24:03: Dann war die Polizeiwache da drüben wo jetzt der Bäcker ist.

00:24:06: Und dann haben sie uns so lange dabei halten und dann haben Sie mit uns gequatscht und so weiter.

00:24:12: Da waren wir dann so vier Jungs meistens um neun aber haben es uns

00:24:17: rausgelassen.".

00:24:18: Also die haben ja alle das gleiche gesehen und das Gleiche erlebt

00:24:25: Ähnliches.

00:24:26: Sehr ähnliches, aber haben es halt offensichtlich völlig unterschiedlich abgespeichert.

00:24:32: das heißt für die eine frau war es das schlimmste was sie jemals in ihrem Leben erlebt hat und man merkt diese brüchige stimme die war ja auch kurz davor die fassung zu verlieren dann der andere.

00:24:46: Das war alles mehr oder weniger ein abenteuer.

00:24:49: wir durften klauen und auch mit der polizei das war nicht so schlimm und ganz lustig.

00:24:54: Und die andere, die wiederum sagt.

00:24:56: Wir haben eigentlich gelebt wie die Madem Speck weil wir Glück hatten und Verwandte in Amerika hatten und dementsprechend guten Tauschhandel machen konnten.

00:25:03: das heißt also und lässt für mich einig nur den Schluss zu auch wenn du das gleiche erlebt hast und gesehen hast stellst du es aufgrund der Lebensumstände in denen du dich befindest speicherst du das ganz anders ab finde ich schon sehr bemerkenswert muss ich sagen

00:25:20: ja und wir dürfen natürlich nicht vergessen es waren alles Kinder Und manchmal ist auch ein großer Schutzmechanismus davor, du kannst ja gar nicht alles verarbeiten was du siehst.

00:25:30: Also vieles wird auch verdrängt oder vielleicht etwas verschönend oder verklärt in der Erinnerung einfach damit es aushaltbar wird.

00:25:40: Ganz am Anfang unseres Podcasts habe ich gesagt dass wir nicht nur bewegend und tiefgehende Geschichten gehört haben und aufgezeichnet haben sondern auch ziemlich schräge Stories Und eine davon hören wir jetzt.

00:25:52: Erzählt von Jürgen Hering.

00:25:54: im Oktober, in Groningen in den Niederlanden geboren.

00:26:00: Wurde von deutschen Truppen besetzt, Jürgens Vater im September, und darauf hinflüchteten er seine Mutter und die fünf Geschwister nach Ostholstein erst mal nach Beusloh um genau zu sein.

00:26:13: Später wohnte mit seiner Familie und dem aus dem Krieg zurückgekehrten Vater am Heisterbursch Ein Steinwurf entfernt von der Hafeneinfahrt.

00:26:22: Seine Erlebnisse aus den Wochen und Monaten nach dem dritten Mai hören sich so an...

00:26:29: Die Capacona, die Thielbeck und die Deutschland, die lagen hier ja alle in der Bucht oder waren ja alle beschossen und zwei U-Boote Die beiden U-Boote, die lagen ja so vor der Einfahrt von Neustadt.

00:26:43: Und das war immer unser Ziel beim Schwimmen.

00:26:45: Bis zu den U-Boten sind wir geschwommen und dann wieder zurück.

00:26:49: Aber in dem kalten Winter war die ganze Ostsee ja zugefroren.

00:26:54: Es hieß damals ... In Deutschland, die Lache auf der Seite, da kann man noch Sachen rausholen!

00:27:00: Meine Mutter ist mit uns älteren Geschwistern damals übers Eis hingegangen.

00:27:06: Wir waren ja dann inzwischen in Neustadt angekommen und hatten ja gar nichts.

00:27:12: Und wir haben zum Beispiel aus der Deutschland eine Matratze durch das Bullauge rausgeholt, und ich habe meine ganze Jugendzeit in Neuestadt auf dieser Matratz der deutschen Kriegsmarine geschlafen bis ich geheiratet habe und aus dem Haus ging.

00:27:32: Und können Sie sich noch daran erinnern?

00:27:34: Wie Sie da reingekommen sind?

00:27:35: Ja,

00:27:38: es war ja Eis.

00:27:40: Wir konnten durch so einen Bullauge wieder reinsteigen und da war auch irgendwo was aufgerissen oder was.

00:27:49: wir haben da auch noch Holz rausgeholt und alles Mögliche.

00:27:53: Wir waren mit Schlitten, hatten das auf den Schlitten gepackt und das war sehr emotional.

00:28:02: Als wir dann wieder zurückging, hatte das Eis schon gebrochen und vor Neustadt war eine ziemlich große Lücke wo wir gar nicht mehr rüber konnten.

00:28:16: Wir hatten ja aber Bretter mit und haben da die Bretter darauf gelegt sind über die Brettern auf die andere Seite gekommen und mein Vater der war in ganz großer Sorge um seine Familie.

00:28:29: Der hatte dann veranlasst, dass das Nebelhorn in Gange gesetzt wurde.

00:28:34: Denn es war auch neblig geworden und damit wir die Richtung hatten.

00:28:39: Und mein Vater stand unten am Strand und erwartete uns denn da.

00:28:47: Die Geschichte ging gut aus mit dem Nebelhorn – und das war ganz kurios!

00:28:52: Es gab zwei Gespräche mit Herrn Hering.

00:28:54: Das erste war so, dass er ankam mit einem riesen dicken Buch unterm Arm mit seinen eigenen Aufzeichnungen, also hat er tatsächlich aus seine Erinnerung aufgeschrieben und hat dann also aus seiner Aufzeichnung vorgelesen tatsächlich.

00:29:07: Und eben so zwei drei Stunden später klopft es nochmal an den Bus.

00:29:11: wieder war Herr Herring da und meinte Mensch herwesten.

00:29:13: ich habe doch noch eine Geschichte die mir eingefallen ist und die hatte denn also aus seinen Erinnerungen erzählt.

00:29:19: und wir haben ja schon Eben gerade auch über die Überlebenden gesprochen, über die ehemaligen KZ-Heftlinge.

00:29:27: Die dann entweder durch Neustadt getrieben wurden oder dann eben auch separiert wurden oben auf dem Wegsberg.

00:29:33: Da gab es ja offensichtlich mehr oder weniger einen eigenen Stadtteil für die ehemeinlichen KZ Heftlingen.

00:29:42: Darüber haben wir gesprochen und mich hat auch in den Gesprächen immer interessiert zu ergründen, ob die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auch Begegnungen hatten.

00:29:51: dann nochmal mit Überlebenden.

00:29:53: Und Gespräche mit Verweisten oder ehemaligen Gefangenen.

00:29:58: Bei diesem Thema beginnen wir mit Erika Langthin.

00:30:01: Sie wohnte damals in der Oldenburger Straße.

00:30:03: In nineteenhundertfünfundvierzig war sie zwölf Jahre alt und bekam immer wieder Besuch von einem KZ-Überlebenden.

00:30:11: wo genau er inhaftiert war und wie er hieß das ist unbekannt.

00:30:15: Frau Langthimm erinnert sich allerdings noch ganz genau hier an.

00:30:20: Der hat erzählt, zwölf Jahre hat er gesessen weil er nur eine rote Fahne getragen hat und dann war es bei einem Kuppelistern.

00:30:30: Er war jeden Morgen pünktlich da und holte sich seine Erdbeeren.

00:30:35: Und hat

00:30:36: auch immer welche gekriegt?

00:30:37: Ja, die hatten wir reichlich und eine Schüssel nahm er denn mit Und die brachte er nächsten Tag wieder mit zurück.

00:30:46: Dann nahm er die wieder mit!

00:30:50: Also ich stand hier in der Brückstraße, guckte ihn ein Schaufen ins Pfeifengeschäft und da stand ein junges Mädchen ganz mager bei roten Haaren... ...und ich hab mich daneben gestellt, ne?

00:31:07: Dann habe ich sie mal angeguckt, dann hat sie gesagt, gucks du, woher kommst du

00:31:13: denn?!

00:31:15: Ja, da hat sie die WMKZ gewesen.

00:31:17: Konzentrationslager in Hamburg.

00:31:20: Wie ist das noch?

00:31:22: Neuengame.

00:31:24: Und so wie sich hier aufgetaucht ist weiß ich auch nicht.

00:31:28: Aber jedenfalls war sie da und so sah es ja auch

00:31:30: aus.

00:31:32: Was man dann als Kind zu sagen, wenn man daneben steht.

00:31:36: Ich hab mir leid getan!

00:31:39: Erst hatten wir keinen Kontakt, aber dann haben wohl auch einige gefragt und auch geklingelt mal und gefragt bei uns.

00:31:50: Weil ob jemand Wäsche waschen kann oder so.

00:31:56: Und da war eine Jüdin.

00:31:58: die kamen dann auch immer zu uns.

00:32:00: ich weiß mit Vornamen hieß sie Zisha und ich sehe die auch noch vor mir so ne kleine Und die waren ja auch noch eine ganze Zeit, bevor sie alle so nacheinander ... Die hatte dann auch Kontakte nach Amerika und ist auch nach Amerika gegangen.

00:32:19: Und dann hat sie Jahre später gekriechten meine Eltern einen Schreiben von einem Anwalt aus der Nähe in Long Island da irgendwo im Auftrag dieser Zischer, ob Sie möchte ihren Lebensabend in Neustadt verbringen?

00:32:35: Und ob sie bereit wären, sie aufzunehmen und quasi im Alter zu pflegen.

00:32:43: Aber meine Eltern hatten gerade meinen Vater bei sich aufgenommen.

00:32:47: Wir waren zwar aus dem Haus aber ich habe das damals dann auch geantwortet weil ich hier nun Englisch gelernt hatte.

00:32:56: Also der Kontakt die hatte sich noch sehr an uns erinnert.

00:33:03: über die Begegnung mit den Überlebenden und mit dem KZ-Heftling, kam bei mir immer so dieser Reflex und dieser Impuls immer noch mal nachzufragen.

00:33:13: Noch mehr erfahren zu wollen – was habt ihr denn da gesprochen?

00:33:16: Und was war Thema und was haben sie dann so erzählt?

00:33:20: Aber man darf nicht vergessen, die waren halt damals auch die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen höchstens fünfzehnt oder fünfzehn Jahre alt konnten dem entsprechend auch gar nicht so weit gehen in diesen Gesprächen.

00:33:32: Dementsprechend hat sich das natürlich alles an der Oberfläche bewegt und dazu muss man ja auch noch berücksichtigen, dass da möglicherweise von den Eltern auch Ängste antrainiert

00:33:41: wurden.".

00:33:42: Unsere letzte Geschichte gebührt Crystal Suhr.

00:33:45: Sie wurde im damaligen Bodenwinkel bei Danzig geboren und verbrachte ihre frühe Kindheit in diesem idyllischen Fischerdorf an der frischen Nährung zwischen Ostsee und Haft.

00:33:57: Gegen Ende des Krieges musste die Familie flüchten, ihre Mutter mit zwei Koffern einer davon voller Weckleser mit Vorräten, die knapp zwölfjährige Christel mit ihrer kleinen Schwester gerade ein Jahr alt um den Bauch geschneit.

00:34:11: Kristall.

00:34:11: Suhr erinnert sich an tote Pferde der Trecks aus Ostpreußen, an zerschossene Häuser.

00:34:17: Sie sagt sie habe schon als Kind mit ihrem Leben abgeschlossen gehabt.

00:34:20: deshalb könne sie sich so gut an die Zeit erinnern, als sei es gestern gewesen.

00:34:27: Per Schiff kam sie im Mai nineteenundhundvierzig nach Neustadt.

00:34:30: Per Zug ging es bis Lensan, von dort aus wurden die Vertriebenen auf die umliegenden Dörfer verteilt wo sie eine neue Heimat fanden unter anderem in Mannhagener Felde.

00:34:41: und dort traf ich Christel Suhr.

00:34:43: Sie lebt heute, das muss man sich mal wirklich vorstellen wieder genau in dem ehemaligen Gasthof indem ihre Familie nach dem Krieg eine neue Zukunft ein neues Leben startete.

00:34:54: Was Christelsurs Schicksal und Geschichte aber für uns noch einmal ganz besonders macht, mit ihr schließt sich gedanklich der Kreis zu unserem ersten Podcast als wir die Frage stellten, warum wir in unserer Schulzeit nichts über den Judenmarkt von Neustadt an den KZ Häftlingen aus Stuttdorf gelernt hatten.

00:35:12: Zurück also zur Christelsur.

00:35:14: Ihr Heimatdorf-Bodenwinkel lag nur ein paar Kilometer vom KZ Stutthof entfernt.

00:35:19: Das KZ, aus dem eben tausende Häftlinge wenige Tage vor Kriegsende auf Binnenschiffen verfrachtet wurden von den zwei in Neustadt anlandeten.

00:35:29: Christel Suhr und ihre bewegenden Erinnerungen an das KZ-Stutthof.

00:35:34: Da bin ich immer als Kind mit dem Zug zu meiner Großmutter gefahren Und da musste ich immer an diesem Lager vorbei.

00:35:43: Das ging durch den Wald Wunderbar, sie können sich das nicht vorstellen was das für eine Fläche war.

00:35:48: Da wurde der ganze Wald ausgerodet und da wurde dieses Kazzett gebaut mit einem wunderschönen Herrenhaus.

00:35:55: Das Haus fand ich immer so toll.

00:35:57: Ich denke oh Gott wer da wohl drin wohnt habe ich immer gedacht Aber mir ja so ein.

00:36:02: aber ich hatte schon und ich wusste schon Und es wurde uns auch gesagt Es ist ein riesen Schornstein und da werden Menschen verbrannt.

00:36:10: Das kam durch die Nachrichten und das war offiziell bekannt.

00:36:16: Und da waren viele Leute, auch diese Leute wurden benutzt, dass sie so kolonnenweise auf den Feldern bei den Bauern arbeiten mussten.

00:36:28: Die wurden dann bewacht mit Maschinengewehr und Soldaten und die mussten dann rübenverziehen was die da alles gemacht haben.

00:36:35: Diese kamen alle aus diesem Kassett Und wir als Kinder haben zuerst immer gedacht, das sind Herr Brecher.

00:36:44: Da hatten wir Angst vor.

00:36:47: Bis nachher ... Zuerst hat man das so gedacht und waren ja auch ein, zwei Jahre vergangen, dass man auch älter wurde.

00:36:56: Man hat dann noch immer mehr erfahren, dass das meistens alles unschuldige Leute sind, die sie da sind.

00:37:03: Wenn ich auf den Feldern war, Gab es irgendwie Kontakt oder so zwischen den Einheimischen?

00:37:09: Nein, durfte überhaupt nicht.

00:37:11: Die waren bewacht und wurden sofort erschossen.

00:37:13: Ich hab das sogar mal bei meiner Großmutter erlebt.

00:37:17: Da war auch nebenbei ein großes Gut.

00:37:21: Zwischendurch trennte aber eine kleine Schonung von Wald.

00:37:26: Und dann auf diesen Feldern mussten diese Leute arbeiten.

00:37:31: Das war einmal am Zaun ganz nahe bei meiner Grossmutter.

00:37:36: Dann hatten wir so gegessen und die wollte so Essen rausbringen, für die Hühnerreste.

00:37:42: Die die Hüner dann so aufpicken sollten.

00:37:44: Und dann kamen ein oder zwei Leute aus dieser Kolonne gelaufen und wollten meiner Oma diesen Teller entrennen weil sie Hunger hatten.

00:37:51: Und die wurden sofort geschlagen.

00:37:56: Ich wurde sofort geslagen!

00:37:58: Das hat mir so leid getan.

00:38:00: Ich habe mich auch als Kind gedacht, oh Gott wie ist das furchtbar?

00:38:05: Das ist Crystal so wirklich zutiefst in Erinnerung geblieben.

00:38:08: Das hat sie mehrfach an diesem langen Gespräch wiederholt, die Erinnerungen werden Sie bis zu ihrem Tod wohl begleiten.

00:38:15: Dass auch nur wenige Tage vor ihrer eigenen Flucht und ihre Ankunft in Neustadt KZ Häftlinge aus Stuttdorf ebenfalls in Neustadt angelandet waren.

00:38:25: Das zwischen zweihundert und vierhundert dieser Heftlinge, so kurz vor Kriegsende, in den Morgenstunden vom dritten Mai, nineteenhundertviertzig noch in Neuestadt ermordet wurden.

00:38:35: Davon hatte auch Christelsur bis zu unserem Gespräch nie etwas

00:38:39: erfahren.".

00:38:41: Und das war dann eben unser Best-of aus diesen zwanzig Stunden Material, aus diesen Zwanzig Interviews die wir geführt haben Zuhörbus und warum haben wir das jetzt gemacht, diese dritte Folge des Podcasts um Sie und Euch teilhaben zu lassen an dem was wir erlebt haben.

00:39:00: Und Teilhabe zulassen an den Geschichten die wir gehört und aufgezeichnet haben aufgezeichnet für das neue Capacona Museum Das entstehen wird.

00:39:12: Dokumentationszentrum.

00:39:14: Um etwas genauer zu sein so soll es heißen Es gibt vom Bund zugesagte fünf Millionen Euro an Anschubfinanzierung.

00:39:22: Und das, was wir wissen ist, dass optimistische Schätzungen davon ausgehen, dass am dritten Mai, der Grundstein gelegt wird – also eine ganz tolle Sache – und eben für dieses Dokumentationszentrum haben wir diese Interviews gemacht und dieses Material gesammelt um es dann uns und unseren Nachfahren zur Verfügung zu stellen, dass es nicht verloren geht.

00:39:47: Die Stimmen und Stories sind also gesichert.

00:39:49: das war auch unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern sehr wichtig.

00:39:54: Das war eine der Motivationen weshalb sie überhaupt mit uns gesprochen haben.

00:39:58: Dass die sagen Mensch unsere Geschichte die darf nicht verloren gehen die muss einfach der Nachwelt erhalten bleiben.

00:40:05: Genau Unterstützt und finanziert wurde der Zuhörbus aber eben auch dieser Podcast vom Kinder- und Jugendnetzwerk Neustadt in Holstein vom Museumsverein, vom Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein und vom Bundesprogramm Demokratie Leben.

00:40:23: Und man muss eben berücksichtigen... dass nicht alle digital unterwegs sind und dementsprechend haben wir uns auf die Fahne geschrieben für zwanzig, dreihundzwanzig einen analogen Podcast zu machen.

00:40:32: Das heißt, wir werden irgendeinen Forum finden.

00:40:35: das steht noch nicht ganz fest.

00:40:36: Wir halten sie auf dem laufenden in den lokalen Medien wo und wann da stattfinden wird Und dann sind alle herzlich eingeladen Die eben nicht den ganzen Tagen mit dem Handy oder mit dem Tablet In der Hand unterwegs sind.

00:40:48: Also das ist der Ausblick auf zwanzich, dreieinzwanziger.

00:40:52: Sie hören von uns und wir hoffentlich von Ihnen allen.

00:40:54: nochmal tausend Dank für diese besonderen Momente und Einblicke in Neustadt's Geschichte.

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